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Brustschmerz — was tun?
Brustschmerz ist eines der häufigsten Symptome überhaupt — und eines mit großer Spannweite. Die Ursache kann in der Muskulatur liegen, an der Wirbelsäule, am Magen — oder am Herzen. Diese Seite hilft bei der Einordnung. Eine Regel vorweg: Im Zweifel gilt immer der sicherste Weg.
Wann sofort der Notruf 112?
Wählen Sie sofort den Notruf 112, wenn Brustschmerzen
- stark sind und länger als etwa 20 Minuten anhalten — besonders mit Enge- oder Vernichtungsgefühl hinter dem Brustbein,
- mit Atemnot, Kaltschweiß, Übelkeit oder Schwindel einhergehen,
- in Arm, Schulter, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlen,
- oder von Bewusstseinsstörungen begleitet werden.
In dieser Situation gilt: Notruf vor allem anderen — vor dem Anruf in einer Praxis, vor dem Abwarten, vor der eigenen Fahrt ins Krankenhaus. Ein Herzinfarkt wird im Krankenhaus behandelt, und je früher, desto besser für den Herzmuskel. Der Rettungsdienst ist für genau diese Situationen da — auch dann, wenn sich am Ende eine harmlosere Ursache herausstellt. Eine Praxis — unsere eingeschlossen — ersetzt im Notfall nicht den Rettungsdienst.
Noch ein wichtiger Hinweis: Gerade bei Frauen, älteren Menschen und bei Diabetes kann ein Herzinfarkt untypisch verlaufen — eher mit Luftnot, Übelkeit, Rücken- oder Oberbauchschmerz als mit dem klassischen Brustschmerz. Auch solche Beschwerden gehören im Zweifel in den Notruf.
Wann gehört Brustschmerz zeitnah abgeklärt?
Nicht jeder Brustschmerz ist ein Notfall — aber manche Muster verdienen eine zeitnahe kardiologische Abklärung:
- Beschwerden bei Belastung, die in Ruhe nachlassen — das typische Muster einer Durchblutungsstörung des Herzens (Angina pectoris).
- Neu aufgetretene oder wiederkehrende Schmerzen ohne klaren Auslöser.
- Brustschmerz plus Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, erhöhte Blutfette oder Herzerkrankungen in der Familie.
- Begleitende Luftnot oder ein spürbarer Knick der Belastbarkeit.
Vereinbaren Sie in diesen Fällen einen Termin und schildern Sie die Beschwerden bereits bei der Anmeldung — so können wir die Dringlichkeit richtig einordnen.
Welche Ursachen kommen infrage?
Vom Herzen ausgehen können eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße, Rhythmusstörungen, Entzündungen von Herzbeutel oder Herzmuskel und Klappenfehler. Mindestens ebenso häufig sind andere Quellen: Muskulatur und Rippenansätze, die Wirbelsäule, Sodbrennen und Speiseröhre, die Lunge — und nicht zuletzt Stress und Angst, die sehr reale Beschwerden machen können. Was davon zutrifft, lässt sich nicht am Schreibtisch entscheiden, sondern nur mit Anamnese, Untersuchung und gezielter Diagnostik.
Wie klären wir Brustschmerz ab?
Am Anfang steht das ausführliche Gespräch: Wie fühlt sich der Schmerz an, wann tritt er auf, was löst ihn aus, was lindert ihn? Darauf bauen die körperliche Untersuchung und die gezielte Diagnostik auf — je nach Bild Ruhe-EKG, Echokardiographie, Laborwerte und bei belastungsabhängigen Beschwerden Belastungs-EKG oder Stress-Echokardiographie. Am Ende steht eine klare Einordnung mit konkreten Empfehlungen — als Gespräch und im ausführlichen schriftlichen Befundbericht. Ergibt sich der Verdacht auf eine relevante Durchblutungsstörung, organisieren wir die weiterführende Abklärung über erfahrene Kolleginnen und Kollegen aus unserem Netzwerk.
Häufige Fragen
Der Schmerz kommt nur bei bestimmten Bewegungen oder beim tiefen Einatmen — ist das das Herz? Punktuell auslösbarer, bewegungs- oder atemabhängiger Schmerz spricht eher für Muskulatur oder Skelett als für das Herz. Die Einordnung bleibt trotzdem ärztliche Aufgabe — besonders, wenn Risikofaktoren bestehen.
Sekundenkurze Stiche in der Brust — gefährlich? Ganz kurze, einschießende Stiche sind selten herzbedingt. Anhaltende, drückende oder belastungsabhängige Beschwerden gehören dagegen abgeklärt.
Ich war schon einmal deswegen im Krankenhaus, es war nichts — und jetzt wieder? Eine frühere Entwarnung ist beruhigend, gilt aber nicht für immer. Neue oder veränderte Beschwerden verdienen eine neue Einordnung — im Notfallmuster wieder über den Notruf, sonst bei uns in der Praxis.
Dr. med. Ramona Rus — Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie · Zuletzt geprüft am 12.06.2026